Steckbriefe der Virusvarianten

Da Viren sich stetig anpassen können, treten auch Mutationen innerhalb ihres Genoms auf, welche zu immer neuen Varianten des Coronavirus führen. Diese Varianten unterscheiden sich in Übertragbarkeit, Virulenz, Vorkommen und Immunantwort von der ursprünglichen Virusvariante. Einige der Varianten sind gefährlicher als andere, weswegen sie als besorgniserregend eingestuft (variant of concern, VOC) werden. Zudem gibt es Viren, die unter besonderer Beobachtung (variant of interest, VOI) stehen, da sie potenziell gefährlich sein könnten. Weiterhin unterscheidet man Virusvarianten mit bedenklichen Mutationen oder welche ehemals als VOC oder VOI eingestuft wurden (variant under monitoring, VUM, siehe auch VOC/VOI/VUM Übersicht). Varianten, die sich zu einer kritischen Variante entwickeln könnten, werden tiefgehend analysiert (variant under investigation, VUI). Unter dem Abschnitt "Omikron-Subvarianten" sind detailliertere Betrachtungen der Omikron-Subvarianten BA.1, BA.1.1, BA.2 und BA.3 dargestellt.

VOC

Delta (B.1.617.2)

Mutationen:Doppelmutation am Spikeprotein
Erste Detektion:Anfang Oktober 2020 in Indien
Risiko:bessere Übertragbarkeit, höheres Risiko für Impfdurchbrüche und Reinfektionen
Vorkommen in D:geringes bis kein Vorkommen [1]
Vorkommen in M-V:geringes bis kein Vorkommen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Variante B.1.617.2 ist durch mehrere Mutationen charakterisiert, insbesondere durch die Aminosäureaustausche L452R bzw. P681R. Diese haben eine geringere Wirksamkeit der humoralen und der zellulären Immunantwort [3] sowie auch einer höhere Bindungsaffinität zu den menschlichen Zellen [4].

Weitere charakteristische Mutationen: T19R, Δ157/158, L452R, T478K, D614G, P681R und D950N [5].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Variante wurde zuerst Anfang Oktober 2020 detektiert. Inzwischen wurde sie in 202 Staaten nachgewiesen [6]. Sie war in der 2. Hälfte 2021 in Deutschland die dominierende Variante. Jedoch wurde sie von der Omikron-Variante abgelöst. Seit Kalenderwoche 9/ 2022 wurde sie in den erfassten variantenspezifischen Untersuchungen kaum noch nachgewiesen [1].

 

Risikoprofil

Bislang ist die Delta-Variante als „Variant of Concern“ klassifiziert. Sie hat wahrscheinlich eine 60% höhere Übertragbarkeit als die Alpha-Variante [7,8]. Die Basisreproduktionszahl der Variante wird auf 6-7 geschätzt [8]. Zudem wird ein höheres Risiko für Impfdurchbrüche und Reinfektionen befürchtet [9,10,11]. Aufgrund der Mutationen ist es der Variante möglich, menschliche Zellen effektiver zu infizieren [4,7,12]. Beobachtungen von Hospitalisation, Intensivpflichtigkeit und Tod der Betroffenen mit dieser Variante, weisen auf eine hohe Virulenz von Delta hin [13,14].

Delta plus (B.1.617.2.1, AY.1)

Mutationen:

Doppelmutation im Spikeprotein, zusätzlicher Aminosäureaustausch an Position K417N

(B.1.617.2+K417N) [15]

Erste Detektion:im April 2021 in Indien [16]
Risiko:bessere Übertragbarkeit, höheres Risiko für Impfdurchbrüche und Reinfektionen
Vorkommen in D:vereinzelt nachgewiesen [1]
Vorkommen in M-V:nicht nachgewiesen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Delta-Plus-Variante AY.1, AY.2 ist eine Unterart der Delta-Variante B.1.617.2. Sie besitzt eine zusätzliche Mutation am Spikeprotein K417N, welche auch bei der Beta-Variante B.1.351 auftritt. Diese Mutation liegt an einer für das Immunsystem relevanten Stelle und beeinflusst die Bindung des Spikeproteins an den ACE2-Rezeptor. [15] Weitere Informationen über diese Variante werden gesammelt.

Weitere charakteristische Mutationen: T19R, R158G, T478K, D950N, K417N, E156, F157, ORF8D119 und ORF8F120 [15].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Variante wurde zuerst im April 2021 in Indien detektiert und kommt inzwischen international vor. Es wird zwischen zwei Untergruppen differenziert, die unterschiedlich lokalisiert sind. Zweig 1 (AY.1) tritt in verschiedenen Ländern auf wie Indien, GB, Japan, Portugal, Frankreich, Polen und Zweig 2 (AY.2) tritt in den USA und Portugal auf. Der prozentuale Anteil dieser Variante in Europa ist derzeit noch gering. Insgesamt wurde die Variante in 49 Staaten nachgewiesen [16].

 

Risikoprofil

Aufgrund ihrer Abstammung wird die Delta-Plus-Variante erstmal zur Delta-Variante gezählt. Sie wird also als "Variant of Concern" klassifiziert, da die vorhandenen Mutationen möglicherweise ein höheres Risiko für Übertragbarkeit, Impfdurchbrüche und Reinfektion darstellen. [1,9]

Omikron (B.1.1.529)

Mutationen:ca. 30 Aminosäureänderungen im Spikeprotein
Erste Detektion:09. November 2021 in Südafrika [17]
Risiko:erhöhte Transmission, Immunevasion, Übertragbarkeit, Reinfektion vermutet
Vorkommen in D:dominierende Variante [5]
Vorkommen in M-V:dominierende Variante [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Variante B.1.1.529 hat mit ca. 30 Aminosäureänderungen eine besonders hohe Anzahl an Mutationen im Spikeprotein. Von den 30 Mutationen befinden sich 15 in der Rezeptor-Bindungs-Domäne [18]. Viele der Mutationen, wie zum Beispiel N501Y oder D614G gibt es auch in der Alpha- bzw. Delta-Variante und stehen in Verbindung mit einer höheren Infektiosität und einer verringerten Immunantwort [19]. Dennoch wird davon ausgegangen, dass die Variante unabhängig von der Delta-Variante entstanden ist [5]. Aus der Variante sind mittlerweile die drei Subvarianten BA.1, BA.2, BA.3, BA.4 und BA.5 hervorgegangen [20].

Weitere charakteristische Mutationen: A67V, Δ69/70, T95I, G142D, Δ143/145, N211I, Δ212/212, ins214EPE, G339D, S371L, S373P, S375F, S477N, T478K, E484A, Q493R, G496S, Q498R, N501Y, Y505H, T547K, D614G, H655Y, N679K, P681H, D796Y, N856K, Q954H, N969K, L981F [21].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Omikron-Variante wurde erstmalig im November 2021 in Südafrika entdeckt. Zunächst wurde sie hauptsächlich in Botswana und Südafrika detektiert. Mittlerweile verbreitet sich die Variante international und wurde bereits in 182 Ländern nachgewiesen [6]. In Deutschland ist sie inzwischen die dominierende Variante. Dabei hat die Subvariante BA.2 vor den anderen Omikron-Subvarianten in M-V die führende Position eingenommen [1].

 

Risikoprofil

Am 24. November 2021 wurde das Auftreten der Omikron-Variante an die WHO berichtet, welche diese Variante zwei Tage später als „Variant of Concern” einstufte [17]Daten weisen darauf hin, dass es bei der Variante besonders bei Ungeimpften, aber auch bei ein- bis zweimal Geimpften ein hohes Risiko auf Reinfektion bzw. Impfdurchbrüche gibt [22,23]. Nach drei Impfdosen ist laut einer Studie aus UK das Risiko einer Hospitalisierung eines symptomatischen Omikron-Falls im Vergleich zu ungeimpften Personen um ca. 88 % geringer [24]. Die Verbreitung der Variante weist zudem darauf hin, dass sie wahrscheinlich eine höhere Übertragbarkeit hat, was In vitro-Untersuchungen unterstützen [23]. Die Variante infiziert dabei eher Zellen im oberen Respirationstrakt, als im Lungengewebe und kann sich dort stark vermehren, was zu der erhöhten Übertragbarkeit beiträgt [25,26]Es wird vermutet, dass die Variante weniger pathogen ist als die Delta Variante [24,27]. Zudem wies eine umfassende Genomsequenzierungsstudie aus den USA einen milderen Verlauf einer Omikron- im Vergleich zu einer Delta-Infektion nach [28]. Darüber hinaus gibt es Unterschiede zwischen den Omikron-Subvarianten selbst. Erste Untersuchungen weisen auf eine bessere Übertragbarkeit der BA.2- im Vergleich zur BA.1-Subvariante hin [29].

Ehemalige

Alpha (B.1.1.7) - ehemalige VOC

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im September 2020 in Großbritannien
Risiko:bessere Übertragbarkeit, höheres Risiko für Impfdurchbrüche und Reinfektionen
Vorkommen in D:geringes bis kein Vorkommen [1]
Vorkommen in M-V:geringes bis kein Vorkommen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Das S-Protein ist v.a. für die Bindung des Virus an die Wirtszellen verantwortlich. Viren der Linie B.1.1.7 weisen 23 Polymorphismen auf, von denen 17 in Aminosäureänderungen der Virusproteine resultieren, die vorwiegend das Spikeprotein betreffen.

Weitere charakteristische Mutationen: Δ69/70, Δ144, (E484K*), (S494P*), N501Y, A570D, D614G, P681H, T716I, S982A und D1118H (K1191N*) [5].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Variante breitete sich seit September 2020 in Großbritannien aus. Inzwischen wurde sie in 186 Staaten nachgewiesen [6]. Sie war in Deutschland bis Juni 2021 die dominierende Variante, wurde aber von der Delta-Variante abgelöst [5].

 

Risikoprofil

Gemäß ECDC und WHO ist die Alpha-Variante als deeskalierte „Variant of Concern” klassifiziert [20,30]. Es wird eine 1,5-fach höhere Reproduktionszahl sowie eine erhöhte Fallsterblichkeit vermutet [31,32]. Die vorhandenen Mutationen und die Anzahl infizierter Kontaktpersonen lassen eine bessere Übertragbarkeit befürchten [29]. Zudem weisen Laboruntersuchungen darauf hin, dass die Mutationen nicht zu einer Zunahme der Pathogenität führen [33]. Weitere Laboruntersuchungen belegen die effektive Wirksamkeit der zugelassenen mRNA-Impfstoffe [34,35]

Beta (B.1.351) - ehemalige VOC

Beta (B.1.351) - ehemalige VOC

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:Anfang Oktober 2020 in Südafrika
Risiko:Immunantwort weniger wirksam
Vorkommen in D:bisher selten nachgewiesen [1]
Vorkommen in M-V:bisher selten nachgewiesen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Bei der Variante B.1.351 wurden durch Mutationen neun Aminosäuren im Spikeprotein ausgetauscht [36]. Hierzu gehört die von B.1.1.7 bekannte, jedoch unabhängig erworbene N501Y-Mutation. Zusammen mit den Mutationen K417N und E484K befindet sich diese Mutation auf der Rezeptor-Bindungs-Domäne, welche im wesentlichen für die Bindung an menschliche Wirtszellen verantwortlich ist [37].

Weitere charakteristischen Mutationen: D80A, D215G, Δ241/242/243, K417N, E484K, N501Y, D614G

und A701V [5].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Variante breitet sich seit Anfang Oktober 2020 in Südafrika aus. Inzwischen wurde sie in 123 Staaten nachgewiesen [6]. In Deutschland wurde sie bisher selten nachgewiesen.

 

Risikoprofil

Die Beta-Variante ist durch die WHO als deeskalierte „Variant of Concern” kalssifiziert [30]. Sie hat aufgrund ihrer Mutationen eine verringerte Wirksamkeit auf die Immunantwort [38,39]. Zudem wird vermutet, dass die Variante eine erhöhte Übertragbarkeit hat und Impfstoffe eine geringere Wirksamkeit aufweisen [37,39,40]. Dennoch empfiehlt das RKI eine Impfung mit weniger wirksamen Impfstoffen, da sie vor schweren Krankheitsverläufen schützen [29].

Gamma (P.1) - ehemalige VOC

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im brasilianischen Bundesstaat Amazonas
Risiko:verringerte Wirksamkeit auf die Impfantwort
Vorkommen in D:vereinzelt nachgewiesen [1]
Vorkommen in M-V:vereinzelt nachgewiesen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Variante P.1 stammt von der Linie B.1.128 ab. Sie weist 10 Änderungen im Spikeprotein auf, von denen einige nahezu mit der Mutation der 501y.v2 Variante übereinstimmen [36].

Weitere charakteristische Mutation: L18F, T20N, P26S, D138Y, R190S, K417T, E484K, N501Y, D614G, H655Y, T1027I und V1176F. [5].

 

Vorkommen und Verbreitung

Die Variante trat erstmals im brasilianischen Bundestaat Amazonas auf. Inzwischen wurde sie in 90 Staaten [6] und in Deutschland bisher nur vereinzelt nachgewiesen.

 

Risikoprofil

Gemäß der WHO wird die Gamma-Variante als deeskalierte „Variant of Concern” klassifiziert [30]. Die Aminosäureänderungen im S-Protein deuten darauf hin, dass die Immunantwort bei Genesenen und Geimpften weniger wirksam gegen die Virusvariante ist [41,42]. Ein wird eine 2,5-fach höhere Übertragbarkeit vermutet [43].

Lambda (C.37) - ehemalige VOI

Lambda (C.37) - ehemalige VOI

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im August 2020 in Peru
Risiko:höhere Infektiosität, verringerte Immunantwort
Vorkommen in D:nur vereinzelt nachgewiesen [44]
Vorkommen in M-V:bisher nicht nachgewiesen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung:

Charakteristisch für die Variante C.37 ist eine 7-Aminosäuren-Deletionsmutation RSYLTPGD246-253N. Es wird vermutet, dass es einen Zusammenhang mit dieser Mutation und der verringerten Immunantwort sowie der höheren Infektiosität besteht [45].

Weitere charakteristische Mutationen: D614G, T859N, F490S, L452Q, T76I, G75V, Δ247/253 [21]

 

Vorkommen und Verbreitung:

Die Variante wurde zuerst im August 2020 in Peru entdeckt. Sie verbreitete sich schnell in Südamerika. Inzwischen wurde sie in 44 Ländern nachgewiesen. [6] In Deutschland wurde die Variante nur vereinzelt nachgewiesen. [44]

 

Risikoprofil:

Die Lambda-Variante ist gemäß WHO als deeskalierte „Variant of interest” klassifiziert [29]. Ihre Mutationen lassen auf eine verringerte Immunantwort und eine höhere Infektiosität vermuten [45]. Genaue Daten zu Übertragbarkeit, Impfevasion, Reinfektionen und Pathogenität fehlen bisher.

Mu (B.1.621) - ehemalige VOI

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im Januar 2021 in Kolumbien
Risiko:höhere Resistenz gegenüber Impfstoffen
Vorkommen in D:bisher nur vereinzelt nachgewiesen [6]
Vorkommen in M-V:bisher nicht nachgewiesen [2]

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung:

Die Variante hat neun Mutationen im Spikeprotein, darunter die Mutationen E484K und N501Y, welche auch in den VOC zu finden sind.

Weitere charakteristische Mutationen: T95I, Y144S, Y145N, R346K, D614G, P681H, und D950N [21]

 

Vorkommen und Verbreitung:

Die Variante wurde zuerst im Januar 2021 in Kolumbien entdeckt. Inzwischen wurde sie in 58 Ländern nachgewiesen. In Deutschland trat sie bisher nur vereinzelt auf [6].

 

Risikoprofil:

Die Variante Mu ist gemäß WHO als deeskalierte „Variant of interest“ klassifiziert. Die Mutationen der Variante Mu führen zu einer erleichterten Bindung des Virus an der menschlichen Wirtszelle. Zudem wird vermutet, dass die Variante resistenter gegenüber den Impfstoffen ist, als der Wildtyp [46,47]. Genaue Daten zu Übertragbarkeit, Impfevasion, Reinfektionen und Pathogenität fehlen bisher [46].

Kappa (B.1.617.1) - ehemalige VOI

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im Oktober 2020 in Indien [20]
Risiko:höhere Übertragbarkeit, höheres Risiko für Reinfektionen und Immunevasion [20]
Vorkommen in D:vereinzelt in Deutschland nachgewiesen [1]
Vorkommen in M-V:bisher nicht nachgewiesen [2]

 

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Kappa-Variante weist einen Aminosäurenaustausch im Spikeprotein auf und ähnelt genetisch der Delta-Variante.

Weitere charakteristische Mutationen: G142D, E154K, L452R, E484Q, D614G, P681R und Q107H [20].

 

Vorkommen und Verbreitung

Diese Variante wurde vereinzelt in Deutschland detektiert und international in 56 Ländern nachgewiesen [48].

 

Risikoprofil

Gemäß WHO ist die Kappa-Variante als deeskalierte „Variant of Interest“ klassifiziert [20]. Einfluss auf die Immunreaktion erfolgt durch Neutralisation [20].

B.1.617.3 - ehemalige VOI

Mutationen:im Spikeprotein
Erste Detektion:im Februar 2021 in Indien [20]
Risiko:diesbezüglich werden Informationen gesammelt
Vorkommen in D:bisher nicht nachgewiesen [1]
Vorkommen in M-V:bisher nicht nachgewiesen [2]

 

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung

Die Variante B.1.617.3 weist einen Aminosäurenaustausch im Spikeprotein auf.

Weitere charakteristische Mutationen: T19R, L452R, E484Q, D614G und P681R [20].

 

Vorkommen und Verbreitung

Diese Variante wurde in Deutschland bisher nicht detektiert.

 

Risikoprofil

Gemäß der WHO ist die Variante B.1.617.3 als deeskalierte „Variant of Interest“ in Deutschland klassifiziert [49]. Einfluss auf die Immunreaktion erfolgt durch Neutralisation [20].

AY.4.2 (B.1.617.2.4.2) - ehemalige VOI

weitere Bezeichnung:

B.1.617.2.4.2, AY.4.2, VUI-21-OCT-01

Mutationen:

siehe B.1.617.2, sowie weitere im Spikeprotein [21]

Erste Detektion:

Juli 2021, Großbritannien [50]

Risiko:

erste Daten aus Großbritannien deuten auf eine leicht erhöhte Transmissionsrate hin (ca. 10%)

Vorkommen in D:

selten [1]

Vorkommen in M-V:

erstmals in KW 45 nachgewiesen [2]

 

 

Genetische Eigenschaften und Charakterisierung:

Es handelt sich bei AY.4.2 um eine Subvariante der Delta-Variante B.1.617.2. AY.4.2 weist neben den bekannten Delta-Mutationen noch Y145H und/oder A222V sowie A2529V auf. Sie kann aktuell nur über die Sequenzierung erkannt werden.

Weitere charakteristische Mutationen: Y145H, A222V, A2529V [19]

 

Vorkommen und Verbreitung:

In Großbritannien war die Variante am weitesten verbreitet. Dort wurde sie 120.971 mal nachgewiesen. In Deutschland gab es 2.837 Fälle bei denen diese Variante nachgewiesen wurde [51]. Insgesamt wurde die Variante in 81 Ländern nachgewiesen. [51] In M-V ist die Variante erstmals in der 45. KW des Jahres 2021 nachgewiesen worden (Probe in KW 43/ 2021 entnommen worden).

 

Risikoprofil:

Gemäß der WHO ist die Subvariante AY.4.2 als deeskalierte "Variant of Interest" klassifiziert [22]. Erste Daten aus Großbritannien deuten auf eine leicht erhöhte Transmissionsrate hin (ca. 10%) und die Wachstumsrate von AY.4.2 betrug 17% im Vergleich zu anderen Subvarianten (KW 39). Genauere Untersuchungen zu Übertragbarkeit, Pathogenität, Krankheitsschwere, Mortalität, der Impfstoffwirksamkeit gegen die AY.4.2-Variante etc. werden noch untersucht. [52]

Quellenverzeichnis

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[2] Aktueller Wochenbericht des CoMV-Gen-Studienzentrums (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

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[6] GISAID -  hCov19 Variants (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

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[20] ECDC - SARS-CoV-2 variants of concern as of 03 March 2022 (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

[21] Outbreak Info (2022) COVID-19 cases and deaths (letztmalig aufgerufen am 03.03.2022)

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[36] Gelbe Liste - Übersicht der Corona-Varianten (letztmalig aufgerufen am 14.02.2022)

[37] Tegally, H. et al. (2020) Detection of a SARS-CoV-2 variant of concern in South Africa, DOI: 10.1038/s41586-021-03402-9 (letztmalig aufgerufen am 12.01.2022)

[38] Shinde, V. et al. (03/2021) Preliminary Efficacy of the NVX-CoV2373 Covid-19 Vaccine Against the B.1.351 Variant, DOI: 10.1101/2021.02.25.21252477. (letztmalig aufgerufen am 29.11.2021)

[39] Wang, P. et al. (2021) Antibody resistance of SARS-CoV-2 variants B.1.351 and B.1.1.7, DOI: 10.1038/s41586-021-03398-2 (letztmalig aufgerufen am 12.01.2022)

[40] Shabir, A. et al. (2021) Efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 Covid-19 Vaccine against the B.1.351 Variant, DOI: 10.1056/NEJMoa2102214 (letztmalig aufgerufen am 29.11.2021)

[41] Wang, P. et al. (2021) Increased Resistance of SARS-CoV-2 Variant P.1 to Antibody Neutralization, DOI: 10.1101/2021.03.01.433466 (letztmalig aufgerufen am 12.01.2022)

[42] Faria, N.R. et al. (2021) Genomics and epidemiology of the P.1. SARS-CoV-2 lineage in Manaus, Brazil, DOI: 10.1126/science.abh2644 (letztmalig aufgerufen am 12.01.2022)

[43] Coutinho, R.M. et al. (2021) Model-based evaluation of tranmissibility and reinfection for the P.1 variant of the SARS-CoV-2, DOI: 10.1101/2021.03.03.21252706 (letztmalig aufgerufen am 12.01.2022).

[44] RKI - Neuartiges Coronavirus/Daten/VOC VOI Tabelle (letztmalig aufgerufen am 06.01.2022)

[45] Kimura, I. et al. (2021) SARS-CoV-2 Lambda variant exhibits higher infectivity and immune resistance, DOI: 10.1016/j.celrep.2021.110218 (letztmalig aufgerufen am 09.11.2021)

[46] Laiton-Donato, K. et al. (2021) Characterization of the emerging B.1.621 variant of interest of SARS-CoV-2, DOI: 10.1016%2Fj.meegid.2021.105038 (letztmalig aufgerufen am 24.11.2021)

[47] Uriu, K. et al. (2021) Ineffective neutralization of the SARS-CoV-2 Mu variant by convalescent and vaccine sera, DOI: 10.1101/2021.09.06.459005 (letztmalig aufgerufen am 09.11.2021)

[48] CoV-Lineages - Kappa variant (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

[49] RKI - Coronavirus SARS-CoV-2 - Anwendung der SARS-CoV-2 Varianten Nomenklatur der WHO durch das RKI (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

[50] ECDC - Implications for the EU/EEA on the spread of the SARS-CoV-2 Delta (B.1.617.2) VOC, Threat Assessment Brief (letztmalig aufgerufen am 29.09.2021)

[51] CoV-Lineages - AY.4.2 variant (letztmalig aufgerufen am 29.03.2022)

[52] Public Health England - SARS-CoV-2 variants of concern and variants under investigation in England - Technical briefing 26. London: PHE, 22.10.2021 (letztmalig aufgerufen am 09.11.2021)

 Stand: 21.04.2022