Virus und Epidemiologie

Welche Corona-Warn-Apps gibt es und wozu dienen sie?

Corona-Warn-App

Die „Corona-Warn-App“, welche von der Bundesregierung und dem RKI entwickelt wurde, informiert darüber, ob man Kontakt mit einer infizierten Person hatte und ob ein Ansteckungsrisiko bestanden hat. Sie nutzt dafür die Bluetoothfunktion des Smartphones und speichert für einen begrenzten Zeitraum anonymisiert Begegnungen von anderen Nutzer*innen dieser App, wenn die Kriterien über Abstand und Dauer der Begegnung erfüllt sind. Die Geräte tauschen dafür Zufallscodes untereinander aus. Wenn eine Person durch einen PCR-Test positiv auf Corona getestet wird, kann diese das Ergebnis in die App mithilfe eines QR-Codes eintragen. Diese Information wird anonymisiert den anderen Nutzer*innen, welche die Kriterien für eine Begegnung mit dem Infizierten erfüllt haben in der App in Form einer Warnung bereitgestellt.

Impf-, Genesenen- und Testzertifikate können in der App durch Scannen des QR-Codes, welcher sich auf dem Zertifikat befindet, in der App hinterlegt werden und dienen dem 3G-Nachweis.

Die App bietet zusätzlich die Funktion der Eventregistrierung. Bei Veranstaltungen, im Einzelhandel, in der Gastronomie können Nutzer*innen sich per QR-Code einchecken. Auch das Scannen von QR-Codes für die Luca-App ist inzwischen mit der Corona-Warn-App möglich. Für private Treffen kann ein eigener QR-Code erstellt werden. Die Eventregistrierung dient der Kontaktnachverfolgung im Falle einer Infektion. Die Daten werden lokal auf dem Smartphone gespeichert und nach zwei Wochen gelöscht.

Auch eine Tagebuchfunktion ist in der App enthalten. Sie bietet Nutzer*innen die Möglichkeit Kontakte täglich in die App einzutragen und erleichtert im Falle einer Infektion die Kontaktnachverfolgung.

Die App bietet zudem eine Funktion des universellen QR-Code Scanners. Nutzer*innen können mit diesem Scanner in der App hinterlegte Impf-, Genesenen- und Testnachweise anderer Nutzer*innen scannen und so die Gültigkeit der Zertifikate prüfen.

Außerdem informiert die App über das aktuelle Infektionsgeschehen vor Ort und bundesweit.

 

LUCA-App

Die Luca-App dient der Kontakthinterlegung und hilft im Falle einer Infektion der Kontaktnachverfolgung. Nutzer‘*innen der App müssen sich mit einer verifizierten Telefonnummer und den Kontaktdaten in der App registrieren und können anschließend QR-Codes u.a. bei Veranstaltungen und in der Innengastronomie scannen um sich einzuchecken. Die gesammelten Daten werden verschlüsselt hinterlegt und im Falle einer Infektion dem Gesundheitsamt zur Verfügung gestellt. Dieses kann mithilfe dieser Daten Infektionsketten zurückverfolgen und Kontaktpersonen über ihr Infektionsrisiko informieren. [28]

 

SafeVac2.0

Die vom Paul-Ehrlich-Institut entwickelte App SafeVac2.0. dient der Erhebung von Daten bezüglich der Verträglichkeit der Impfung. Geimpfte können in der App angeben wie die Impfung vertragen wurde. Mithilfe dieser App kann zeitnah mit möglichst vielen Daten die Verträglichkeit der Impfstoffe evaluiert werden.

 

CovPass-App

Die vom RKI entwickelte CovPass-App dient der Dokumentation und dem Nachweis der Corona-Schutzimpfung. Das Impfzertifikat kann wie in der Corona-Warn-App mithilfe des QR-Codes hinterlegt werden und dient auch als digitaler Impfnachweis.

 

STIKO@rki-App

Diese App wurde von der ständigen Impfkommission (STIKO) am RKI entwickelt und bietet Informationen rund um die Impfung gegen eine SARS-CoV-2-Infektion. Die Empfehlungen der STIKO gibt es dort zum Nachlesen, sowie Videos mit Erklärungen und FAQs über das Thema Impfen. Entwickelt wurde die App für Fachpersonal im Gesundheitswesen um dieses beim Thema Impfen zu unterstützen. Aber auch Personen, die sich rund um das Thema Impfen genauer informieren möchten, finden in der App Antworten. [29,30]

Tritt SARS-CoV-2 saisonal auf?

Viele Viren die Verursacher von akuten Atemwegserkrankungen sind, verbreiten sich besser in der kalten Jahreszeit. Gründe dafür sind, dass Menschen sich dann mehr in geschlossenen Räumen aufhalten und aufgrund der niedrigen Temperaturen weniger gelüftet wird, sodass die Übertragungswahrscheinlichkeit gesteigert wird. Außerdem überleben manche Viren bei niedrigeren Temperaturen, niedrigerer UV-Strahlung und geringerer Luftfeuchte länger. Die Schleimhäute der Menschen trocknen aufgrund von Heizungsluft schneller aus und werden anfälliger für Viren. Die Ausprägung von Saisonalität ist zudem abhängig von der Klimazone. So sind saisonale Effekte in gemäßigten Zonen wie z.B. in Deutschland stärker zu beobachten als in (sub-)tropischen Zonen.

Es könnte sein, dass die Saisonalität eine Rolle beim Verlauf der SARS-CoV-2-Infektion spielt und durch die genannten Umweltfaktoren. Menschliches Verhalten und die individuelle Immunstärke beeinflusst wird, wie es auch bei anderen humanen Coronaviren der Fall ist. Allerdings ist dies noch nicht abschließend geklärt. Dagegen spricht jedoch, dass sich SARS-Cov-2 weltweit unabhängig von der Jahreszeit verbreitet hat.[31,32]

Warum unterscheiden sich die Anzahl der angegebenen Fälle in verschiedenen Quellen?

Unterschiede zwischen der Anzahl der Fälle aus verschiedenen Quellen sind normal: Das liegt an den unterschiedlichen Zeitschienen der Berichte und der Berücksichtigung von Befunden (z.B. nur mikrobiologisch bestätigte, bestätigte Fälle und Verdachtsfälle, oder auch im engen epidemiologischen Zusammenhang stehende hoch wahrscheinliche Fälle). Dies ist schon aus anderen Statistiken bekannt. Oft sind die Unterschiede zudem minimal.

 

 

Für die Einschätzung der Lage spielen diese Differenzen keine relevante Rolle: Hierfür sind die Größenordnung, Ursachen und Infektionsketten, aber nicht die exakte Zahl relevant. Außerdem ist dabei immer auch zu bedenken, dass keine Surveillance komplett ist. Dies ist eine der Rationalen, weiter die Maßnahmen der erweiterten Allgemeinhygiene (AHA-L) nicht völlig aufzugeben. [33,34]

Was bedeutet Deeskalation von Virusvarianten?

Eine Deeskalation der Virusvarianten bedeutet eine Herabstufung von Varianten durch die WHO, wenn diese Varianten durch neue Varianten verdrängt werden und kaum noch auftreten und nicht mehr wirklich relevant sind. Sie werden dann nicht mehr als VOC bzw. VOI gelistet. Derzeit wird über eine Deeskalation der Alpha-Variante beraten. [35] 

Was bedeuten die 7-Tage-Inzidenzen?

Die 7-Tage-Inzidenz zeigt die Zahl der SARS-CoV-2-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner einer Region oder eines Landes innerhalb von 7 Tagen. Aufgrund von Meldeverzügen, asymptomatischen Verläufen oder noch nicht detektierten Fällen (aufgrund der Inkubationszeit) kann sich die Inzidenz rückwirkend noch verändern. Die Inzidenzen sind immer nur als Momentaufnahme zu beurteilen. [36]

Was beinhalten die 2G- bzw. 3G-Regeln?

Die 3G Regel steht für geimpft, genesen, getestet. Jede Person die nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss beispielsweise für einen Zugang zur Innengastronomie, Veranstaltungen, Friseurbesuch, Alten- und Pflegeheimen u.v.m. einen gültigen Antigen-Schnelltest oder einen gültigen PCR-Test vorlegen. Die 2G-Regel steht für geimpft und genesen. Ist diese Regel gültig, haben nur Geimpfte und Genesene Zutritt zu den aufgelisteten Einrichtungen. Ab einer 7-Tage-Inzidenz von < 35 können Länder die 3G-Regel ganz bzw. teilweise aussetzen. In Mecklenburg-Vorpommern ist ab einer Hospitalisierungsinzidenz von 3,0 Zugang zu den genannten Einrichtungen nur nach der 2G-Regel erlaubt. [37]

Was bedeutet „2G Plus“?

Die 2G-Plus-Regel steht für geimpft und genesen und zusätzlich getestet. Ist diese Regel in Kraft, haben nur Geimpfte und Genesene, die zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen können, Zutritt beispielsweise zur Innengastronomie, zu Veranstaltungen etc. Ab einer Hospitalisierungsrate von 6,0 ist diese Regel für bestimmte Einrichtungen gültig. [38, 39]

Wie erfassen Gesundheitsämter Ausbrüche und Infektionszustände?

Zur Meldung verpflichtete Personen (z.B. Ärzte) müssen mit Verdacht auf COVID-19 infizierte Personen innerhalb von 24 h dem Gesundheitsamt melden. Labore, die positive PCR-Testergebnisse vorliegen haben, müssen diese unverzüglich melden. Die Meldung muss die Kontaktdaten der infizierten Person beinhalten, damit das Gesundheitsamt die infizierte Person kontaktieren kann, um Maßnahmen wie bspw. eine Quarantäne und die Ermittlung der Kontaktpersonen des Infizierten einzuleiten.

Bestätigte COVID-19 Fälle werden an das RKI ohne Angabe der Kontaktdaten übermittelt, aber mit der Angabe ob die Person in einer für den Infektionsschutz relevanten Einrichtung arbeitet. Ggf. können zusätzliche Informationen enthalten sein wie Krankenhausaufenthalt oder Erkrankungsbeginn. Die Daten werden dann vom RKI ausgewertet und in Situationsberichten veröffentlicht.

Es erfolgt die sogenannte Quellensuche durch das Gesundheitsamt: Wo hat sich die infizierte Person angesteckt? Zu welchen Personen hatte die Person Kontakt bis zu 14 Tage vor Symptombeginn? Wie ist das wahrscheinliche Infektionsumfeld (häuslich, Arbeit, medizinische Einrichtung)? Eine genaue Ermittlung der Infektionszustände ist jedoch meistens nicht möglich, da die Symptome unspezifisch sind und schleichend auftreten und weil die Inkubationszeit von 14 Tagen sehr lange ist.

Bei einem Ausbruchsgeschehen wird ebenfalls das Infektionsumfeld erfasst, sowie das Auftreten weiterer Fälle ermittelt. Die Ausbruchsgeschehen werden in Cluster eingeteilt. [17,36]

Was versteht man unter einem "Superspreader" und einem "Superspreading Event"?

Ein „Superspreader“ ist ein infizierter Wirt, z.B. ein Mensch der eine ungewöhnlich hohe Zahl an Individuen ansteckt. Superspreader haben eine deutlich erhöhte Erregerproduktion und Ausscheidung aufgrund von z.B. Immunsuppression oder Koinfektionen und tragen daher stark zu einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie z.B. Covid 19 bei. Die Basisreproduktionszahl R0 der „Superspreader“ ist deutlich höher als der durchschnittliche Wert.

Ein „Superspreading Event” bezeichnet ein explosives Übertragungsereignis, bei dem „Superspreader“ außergewöhnlich viele Individuen infizieren. [39,40]

Was bedeutet Corona-Surveillance?

Die Corona Surveillance ist die systematische und kontinuierliche epidemiologische Sammlung, Analyse und Bewertung der Gesundheitsdaten um Maßnahmen zur Infektionsbekämpfung zu planen, durchführen und zu bewerten nach dem Infektionsschutzgesetz. Zu den Aufgaben gehört u.a. die epidemiologische Analyse der Meldedaten, Berichterstattung und Herausgabe von Empfehlungen zur weiteren Surveillance. [41,42]

Ressourcenbelastung des Gesundheitssystems durch COVID-19

Die Ressourcenbelastung des Gesundheitssystems ist abhängig von der regionalen Verbreitung der Infektionen, Zahl schwer Erkrankter, regionale Kapazitäten, Impfquote, Gegenmaßnahmen und zusätzlichen anderen Belastungen wie z.B. der Grippewelle abhängig. Ist die Belastungsgrenze erreicht, sind die Kapazitäten für eine adäquate medizinische Versorgung von Patient:innen mit anderen schweren Erkrankungen deutlich eingeschränkt. Derzeit sind Einrichtungen in weiten Teilen Deutschlands an der Belastungsgrenze und Laborkapazitäten sind erschöpft. [46]

Welche grundsätzliche Strategie wird zur Pandemiebewältigung in Deutschland genutzt?

In Deutschland bestehen drei Säulen zur Bekämpfung der Pandemie: Eindämmung der Ausbreitung der Erkrankung (inkl. Kontaktnachverfolgung), Protektion und Milderung der Erkrankungsfolgen. [46]

Ziel der Maßnahmen ist die Minimierung schwerer Erkrankungen durch SARS-CoV-2 unter Berücksichtigung der Gesamtsituation der öffentlichen Gesundheit. Die medizinischen Kapazitäten sollen ausreichen, um die Bevölkerung zu versorgen, die Krankheitslast soll minimiert werden und langfristige Folgen aufgrund von einer SARS-CoV-2 Infektion wie LongCOVID sollen reduziert werden.

Um das Ziel zu erreichen ist es wichtig die Fallzahlen niedrig zu halten beziehungsweise zu reduzieren. Um die Infektionsdynamik zu reduzieren und die Bevölkerung zu schützen ist es sehr wichtig eine schützende Grundimmunität der Bevölkerung zu erhalten. Dafür ist eine hohe Impfquote nötig, die durch leicht zugängliche Impfangebote und Aufklärung der Bevölkerung gesteigert werden kann. Die Impfung schützt jeden einzelnen vor einer akuten und schweren Erkrankung, Langzeitfolgen einer Infektion und hilft das Infektionsgeschehen zu mindern.

Weiterhin sollten von allen die Basismaßnahmen AHA+L und die Corona-Warnapp genutzt werden und Kontakte reduziert werden. Bei Erkältungssymptomen sollte man möglichst zuhause bleiben. Die Kontaktpersonen-Nachverfolgung und ggf. das Einhalten der Quarantäne bzw. Isolation sind ebenfalls wichtige Maßnahmen zur Kontrolle des Infektionsgeschehens. [47]

Was versteht man unter einem Virusvariantengebiet?

Virusvariantengebiete sind Gebiete in denen eine Virusvariante von SARS-CoV-2 verbreitet aufgetreten ist, von welcher ein besonderes Risiko ausgeht und die nicht zugleich in Deutschland auftritt. Ein besonderes Risiko bedeutet, dass die Virusvariante die Krankheitsschwere verstärkt oder, dass Impfstoffe nur einen eingeschränkten Schutz gegenüber dieser Variante aufweisen. 

Was versteht man unter einem Hochrisikogebiet?

Hochrisikogebiete sind Gebiete, in denen aufgrund qualitativer und quantitativer Kriterien Anhaltspunkte für ein gefährliches Infektionsgeschehen vorliegen. Kriterien sind hohe Fallzahlen, also regelmäßige 7-Tages-Inzidenzen von deutlich über 100, eine hohe Hospitalisierungsrate, geringe Testrate, nicht ausreichende epidemiologische Daten und eine hohes Ausbreitungsgeschwindigkeit. [47]